Erste Studie über tiergestützte Therapie bei Depressionen

Erste Studie über tiergestützte Therapie bei Depressionen

Hund und Katze tun der Seele gut - soviel ist klar. Der Umgang mit Haustieren beruhigt, hebt die Stimmung, weckt Glücksgefühle und hat somit einen positiven Einfluss auf die Psyche. Egal, ob beim Senior im Altersheim oder bei den Youngsters im Kindergarten - immer mehr werden Tiere sehr erfolgreich als Therapeuten und Seelenfreunde eingesetzt. 
Erste wissenschaftliche Studie
Ob und wie eine tiergestützte Therapie bei Menschen mit Depressionserkrankungen wirkt, wird derzeit am Zentrum für Seelische Gesundheit der Klinik Marienheide in Gummersbach (Deutschland) untersucht. "Es gibt Erkenntnisse, dass der Umgang mit Tieren Stress und Angst mindert, zur Verbesserung des Selbstvertrauens beiträgt, beruhigende Wirkung hat, hohen Blutdruck senkt, den Kortisol Spiegel im Blut und das Schmerzempfinden mindert", sagte der leitende Oberarzt der Allgemeinpsychiatrie der Klinik, Andreas Sobottka. 

Therapeut mit Fell

Die positive Wirkung des Umgangs mit Hunden auf depressive Patienten will Sobottka nach eigenen Worten weltweit erstmals in einer Studie nachweisen. Der Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie führt die achtwöchige Studie, an der insgesamt 60 Patientinnen und Patienten teilnehmen, in Zusammenarbeit mit der professionellen Hundetrainerin Mareike Doll-Degenhard aus Wermelskirchen, durch. Seit zehn Jahren bildet sie Australian Working Kelpies zu Therapiehunden aus. Die beiden Hunde Buddy und Penny, die in Marienheide zum Einsatz kommen, seien "hochsensibel, arbeiten gerne und sind immer bemüht, ihnen gestellte Aufgaben zu erfüllen", charakterisiert Doll-Degenhard die vierbeinigen Therapeuten. So könne tiefes Vertrauen zwischen Mensch und Tier entstehen.

Tierzuliebe gesund

Die erste Gruppe von 15 Patienten erhält neben der üblichen Behandlung pro Woche zwei Mal je ein halbstündiges zusätzliches Angebot tiergestützter Therapie. Stets kommt derselbe Hund zum Einsatz und stets ist die Tiertrainerin dabei. Um möglichst schnell eine Beziehung zwischen dem Patienten und "seinem" Hund entstehen zu lassen, soll jede Therapieeinheit eine Aufgabe erhalten, die von Hund und Mensch gleichermaßen als Herausforderung erlebt wird.

Wissenschaftliches Setting

Nach vier Wochen zusätzlicher Therapie folgen vier Wochen bei üblicher Behandlung ohne Hund. Parallel startet eine zweite Gruppe zunächst ohne vierbeinige Therapeuten, um dann nach vier Wochen die Hunde zusätzlich einzusetzen. Im Vergleich der beiden Gruppen und anhand wissenschaftlich standardisierter Fragebögen will Sobottka dann die Wirkung der hundegestützten Therapie auf das emotionale Erleben und die depressive Symptome seiner Patienten messen. Erste Studienergebnisse, die in einem medizinischen Fachmagazin veröffentlicht werden sollen, werden nach seinen Worten in einem halben Jahr vorliegen.

Neue Qualitätsstandard

Wenn sich die Annahme bestätigt, dass Hunde eine positive Wirkung auf Patienten mit depressiven Störungen haben, erhofft sich Sobottka eine Verkürzung der Behandlungsdauer und eine Übernahme der Therapiekosten durch die Kassen. Zugleich könne die Studie ein Beitrag dazu leisten, Qualitätsstandards für Therapie mit Tieren einzuführen.

Quelle: epd-West kv es

21. Januar 2011 - 13:19